Kapselgarderobe

Der Frühling (Herbst oder Winter) ist da, alles blüht und duftet oder aber igelt sich ein, die Menschen sind gut gelaunt und haben Lust auf Veränderung oder Kurschelsocken. …der perfekte Zeitpunkt für eine Kapselgarderobe, jede Jahreszeit ist ein guter Startpunkt. Meine ist aus dem Projekt 333 und zählt 33 Teile inklusive Oberbekleidung, Schmuck, Accessoires und Schuhe. Aber machen wir kurz einen Schritt zurück. Was genau ist eine Kapselgarderobe und wo kommt sie her?

 

In den 1970ern wurde der Begriff von Susie Feux, der Inhaberin der Boutique „Wardrobe“ im Londoner Westend geprägt. Ihrer Meinung bestand eine Kapselgarderobe aus einigen immer aktuellen Klassikern wie Hosen, Röcke und Mäntel die sich leicht mit saisonalen Stücken kombinieren ließen.

 

Etwas später, 1985, bekam die Idee Aufschwung durch die Unterstützung von Donna Karan und ihre „seven easy pieces“ Kollektion. In der ursprünglichen Variante waren es ein Bodysuit, Wickelrock, ein tailliertes Sakko, Kaschmirpulli, Mantel, Hose und ein kleines Abendkleid – laut Donna Karan völlig ausreichend um zu jedem Anlass elegant und angemessen gekleidet zu sein.

 

Bei der Modenschau zu „seven easy pieces“ waren 8 nur in Bodysuits und schwarzen Strumpfhosen gekleidete Models auf der Bühne. Nach und nach zogen sie sich bei der Show an und ergänzten die Outfits um Wickelröcke, Hosen und Kleider - um so die Kombinationsmöglichkeiten zu demonstrieren.

 

Ab hier gab es keine einzig wahre Ausrichtung der Kapselgarderobe – die Interpretationen waren und sind seither individuell und unterschiedlich. Es gibt sie in allen Formen, Farben, Nuancen und Facetten und Schattierungen. Manch einer lebt sie minimalistisch, andere prunkvoll und vor allem vielfach. Die Gemeinsamkeit ist immer eine Basisgarderobe aus Stücken die sich sehr gut miteinander kombinieren lassen und leicht ergänzt und aufgepeppt werden können.

 

Es gibt Kapseln für die Oper, für das Kino, fürs Büro (den Liebhaber, den Ehemann, die Kinderkrippe…) und für Zuhause. Temporäre und dauerhafte, für den Sommer/Winter auf dem Land, der Stadt oder in den Bergen. Manche setzen den Fokus auf Farben - denn weiße, graue, schwarze und beige Kleidung sieht nicht nur immer gut und zeitlos aus, sondern ist natürlich leichter kombinierbar als kreischendes Orange oder gepunktetes Türkis.

 

Der Pariser Chic setzt auf Männerschuhe, Jeans, einen schwarzen Blazer, Ballerinas, Seidentuch, eine weiße Bluse, Trenchcoat, Maxi-Schal, einen oversized Pullover und das Herrenhemd. Nicht zu vergessen das schlichte weiße T-Shirt und eine große Sonnenbrille. E voilá - schon ist Frau für alle Gelegenheiten gerüstet und angezogen. Die Handtasche? Ist natürlich mehr als ein Accessoire, sie ist das zweite Zuhause.

 

Auf der anderen Seite der Welt hat Minimalistin und Autorin Courtney Carver mit Ihrem Project 333 eine modische Herausforderung ins Leben gerufen die dich spielerisch den eigenen Stil rausfinden lässt und dir die simple Art zu leben schmackhaft macht. Der Name verrät es bereits – es sind 33 Teile für je 3 Monate. In diese 33 gehören Kleidung, Schuhe, Accessoires und Schmuck. Was nicht zählt sind Unterwäsche, Socken, Sport- und Hauskleidung, sofern vorhanden. Achtung – die Sportkleidung sollte auch wirklich sportlich aktiv sein, sonst zählt sie in die 33 Teile rein. Ein Ehering oder ein anderes sentimentales Stück, dass immer getragen wird, bleibt bei der Rechnung außen vor und muss nicht gezählt werden.

 

Alle anderen Kleidungsstücke werden für die Zeit verbannt, verschlossen, weggeräumt oder -wenn du so weit bist- ausgemistet. Mach das, was dir am Ehesten entspricht, nur trenne die Sachen bitte nach Möglichkeit räumlich von der eigentlichen, aktuellen Kapselgarderobe.

 

Ob Du nun bei der Zahl 33, 27 oder 42 landen und gleich für 3 Monate oder erstmal nur für einen startest, ausprobieren lohnt sich! Du wirst bessere Laune beim Anblick Deines Kleiderschrankes haben, die Wäscheberge werden schrumpfen, es bleibt mehr Kraft und Energie für die wirklich wichtigen Dinge des Lebens. Du bist immer passend und schnell angezogen – niemals wieder vor einem vollen Kleiderschrank stehen und „ich habe nichts anzuziehen“ denken! Allein der bessere Start in den Tag wirkt sich auf alle Bereiche des täglichen Lebens aus!

 

Nebenbei stellst du mit Leichtigkeit fest was du liebst, was dir steht und was dein Stil ist. Egal welche Option mit welchem Fokus du nun ausprobieren möchtest, hier sind einige Tipps und Tricks:

  • Packe alles was du an Kleidung besitzt auf einen Haufen. Dein Bett, das Sofa oder die gesamte Bodenfläche deines Hauses.
  • Konzentrieren dich auf die Stücke die dich glücklich machen, dir sofort gefallen und in denen du dich wohl fühlst. Alles andere kann temporär verbannt und eingesperrt werden, oder aber gleich im Anschluss verkaufen/verschenken/spenden. Wichtig ist nur, dass du die nach der Erstellung der Garderobe verbannten Stücke auch wegräumst, bevor sie Wurzeln schlagen und immer sichtbar sind und bleiben.
  • Zwingen dich nicht auf Biegen und Brechen etwas drei Monate lang zu tragen in dem du dich nicht wohlfühlst. Das Ganze soll guttun und keine lästige Pflichtübung sein. Dann geht das eine Teil zurück in den Keller und ein anderes kommt dafür wieder hervor.
  • Nimm in deine Kapselgarderobe ein absolutes Lieblingsteil auf was dich repräsentiert. Ob es der ewiglange Schal für alle Lebenslagen oder die Lederjacke aus den 80ern ist – ein ganz persönliches IT-Stück sollte mit dabei sein.
  • Basisfarben sind besser als ihr Ruf und lassen sich mit allen kurzweiligen Nuancen nach Lust und Laune kombinieren.
  • Reserviere dir Zeit dafür, am besten einen Tag. Wann immer du zwischendurch nicht weiterkommst hilft eine Runde um den Block oder zwischendurch was anderes machen.
  • Qualität statt Quantität – wir lesen es immer wieder: Wenn es nur einen Pullover in deinem Schrank gibt, sollte er nicht weniger als aus Cashmere sein.
  • Überlege dir beim Tragen welche Stücke du vielleicht für die nächsten 3 Monaten noch brauchst und ob dir womöglich Basics fehlen.
  • Setzte beim Zukauf auf klassische Stücke und lassen dir Zeit beim Aussuchen. Etwas was immer en vogue ist, überdauert jede noch so seltsam anmutende Modeerscheinung, ob nun Federn oder Quietschgelb mit lila Punkten.

Und vor allem - habe Spaß an dem Prozess, spiel damit! Beim aussortieren und dem neu einräumen. Genieß das tolle Gefühl einer frischen, übersichtlichen und lichten Garderobe die jeden Tag besser und das Leben ein ganzes Stück leichter macht!